Translate

29. März 2020

Covid-19 ist keine leichte Grippe

Vorgestern war ich beim Hausbesuch bei dem allerersten Patienten meines Patientenklientels, der vor fast 3 Wochen an der neuartigen durch das Coronavirus Sars-Cov-2 verursachten Erkrankung Covid-19 erkrankt ist.

Ich schildere hier mit dem freundlichen Einverständnis dieses Patienten, Herrn S. , seinen mittelschweren Krankheitsverlauf, um einer meines Erachtens nach gefährlichen Tendenz zur Verharmlosung von Covid-19 entgegenzuwirken.

Herr S. ist mir seit 6 Jahren bekannt. Er ist 52 Jahre alt, verheiratet, hat 1 Kind, lebt in einem eigenen Haus mit Garten in einem Vorort von München, er ist sportlich, raucht nicht, trinkt wenig Alkohol, ist viel an der frischen Luft. Er nimmt keine Medikamente, arbeitet ziemlich viel und ist beruflich viel unterwegs. Er war die letzten Jahre immer mal wieder bei mir mit leichteren grippalen Infekten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, vor 7 Jahren hatte er einmal eine echte Influenza, vor 15 Jahren das Pfeiffersche Drüsenfieber.

Am 11.3.2020 ist Herr S. nach einer beruflichen Reise nach NRW hochfieberhaft erkrankt. Im Nasen-Rachen-Abstrich wurde Sars-Cov-2 nachgewiesen. Herr S. ist damit also an der aktuell weltweit kursierenden Erkrankung Covid -19 erkrankt. Er hat Husten, keine Atemnot, hat hohes Fieber bis 39,8°C und ist stark geschwächt. Für diese Virusinfektion gibt es keine spezifische Therapie. Ich empfehle Bettruhe, viel trinken, viel Schlafen, ggf. Fieber senken mit Paracetamol und Wadenwickeln, ggf. Ibuprofen. Ich bleibe mit der Familie jeden 2. oder 3. Tag  telemedizinisch im Kontakt. Wir sehen die Dinge insgesamt aufmerksam entspannt. Als auch nach einer Woche das Fieber trotz maximaler Schonung immer noch nicht gesunken ist, werden wir etwas unruhig. Herr S. fiebert immer wieder bis knapp an die 40 °C auf, er ist völlig geschwächt. Es hat sich jetzt ein zunehmender trockener Husten entwickelt. Am 20.3., 9 Tage nach der Erstdiagnose und 10 Tage nach den ersten Symptomen kommen Atemnot und ein bräunlicher Auswurf hinzu. Herr S. kommt ins Krankenhaus.

Bei Aufnahme ins Krankenhaus hat Herr S. hohes Fieber mit einer Körpertemperatur von 39,5 °C, der Puls ist mit 98/min deutlich aktiviert, der Blutdruck ist mit 150/90 leicht erhöht, die Herztöne sind rhythmisch und rein, über der Lunge findet sich ein ubiquitäres Giemen und Brummen links mehr als rechts sowie beidseits basal feinblasige Rasselgeräusche. Die Sauerstoffsättigung im Blut ist mit 84% deutlich erniedrigt. Im Labor finden sich mittelgradig erhöhte Entzündungswerte, anderer Erreger einer Pneumonie wie zum Beispiel Chlamydien und Mycoplasmen werden serologisch ausgeschlossen, die Blutkulturen bleiben wiederholt negativ und andere virale Erreger einer Pneumonie wie Influenza-Viren und RSV Viren können nicht nachgewiesen werden.

Im CT der Lunge findet sich der typische Befund einer Covid-19 Pneumonie: über beiden Lungen fleckförmige, milchglasartige Infiltrationen als bildgebender Ausdruck eines ausgeprägten entzündlichen Sekrets im Zwischenzellraum der Lunge. Die Flüssigkeitsansammlungen finden sich bei Covid-19 typischerweise nicht in den Bronchien wie bei einer Bronchitis oder in den Lungenbläschen wie bei einer Lungenentzündung, sondern außerhalb der Bronchien und Lungenbläschen im Raum zwischen den Lungenzellen. Durch dieses Ödem im Zwischenzellraum entsteht dieser Hustenreiz ohne Auswurf und es wird der Sauerstoffaustausch zwischen Blut und eingeatmeter Luft extrem erschwert.

Herr. S. wird zur Überwachung stationär aufgenommen. Er erhält Sauerstoff über die Nasenbrille, bronchialerweiternde Inhalationen, er entfiebert zunehmend und stabilisiert sich ohne weitere Komplikationen. Nach 5 Tagen kann er in die häusliche Quarantäne und in meine hausärztliche Weiterbetreuung entlassen werden. Am Tag nach seiner Entlassung besuche ich ihn zu Hause, um den aktuellen Zustand zu erfassen und die weitere Versorgung zu planen. Die Untersuchungswerte haben sich sehr gut stabilisiert. Herr S. hat jetzt eine Sauerstoffsättigung von 95%, der Puls ist bei 70/min, das Atemgeräusch ist noch etwas abgeschwächt aber die Lungen sind beidseits frei. Sehr eindrucksvoll ist für mich noch die fahle Gesichtsfarbe und der stark geschwächte, schlurfende Gang. Herr S, den ich als aktiven, fitten 50-Jährigen kenne, schleppt sich geradezu die Treppe in den ersten Stock hinauf. Trotzdem ist der Verlauf insgesamt günstig, die schlimmsten Komplikationen sind abgewendet, Herr S. wird diese Erkrankung vermutlich folgenlos durchstehen. Ich rechne mit einer vollständigen Restitution nach ca. 4-6 Weiteren Wochen.

Bei Herrn S. liegt ein mittelschwerer Verlauf von Covid-19 vor. Er gehört damit zu den ca. 15 % aller mit Sars-Conv-2 Infizierten, die einen schwereren Verlauf durchmachen müssen.  Da in der Bevölkerung im Gegensatz zu den Influenza-Epidemien bislang praktisch keinerlei Immunität gegen diese Viruserkrankung vorliegt und auch auf die Schnelle nicht erzeugt werden kann, müssen wir weltweit mit einer sehr hohen Anzahl an mittelschwer bis schwer erkrankten Menschen rechnen. Es liegt auf der Hand, dass bei einer so schweren Erkrankung nicht viel dazu kommen muss, um einen fatalen Verlauf zu verursachen. Noch eine zusätzliche Infektion, ein weiterer Risikofaktor wie Alter, Rauchen, Blutdruck, Zucker oder eine schwächliche Konstitution oder auch nur eine Überforderung der Systeme und die dann nicht zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu Pflege und symptomatischer Therapie.

Meine Meinung:
Meines Erachtens nach erleben wir hier eine weltweite Naturkatastrophe riesigen Ausmaßes.
Ich finde die bislang getroffenen Maßnahmen zur Abmilderung der Folgen verhältnismäßig und richtig. Ich finde es falsch, wie von verschiedenen Seiten jetzt zunehmend getan, hier von "Pandemie-Wahn", "Panikmache", "Hysterie", "Big-Pharma-Täuschung" oder "Totalitärem Staatsverhalten" zu sprechen. Meines Erachtens nach liegt die aktuelle Situation nicht an der medienwirksamen Selbstdarstellung einiger einzelner prominenter Pandemieverfechter, sondern an der dramatischen weltweiten Situation. Meines Erachtens nach sollten alle Kräfte aufgebracht werden, um die enormen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und emotionalen Folgen dieser Katastrophe zu lindern. Ich finde es richtig, alles Menschenmögliche zu tun, um jedes Menschenleben soweit irgendwie möglich zu retten. Ich finde es falsch und Ausdruck einer perfiden Eugenik davon zu sprechen, es würde jetzt ja "nur" die Alten und Schwachen treffen. Ich rufe alle die, die jetzt die allgemeinen Anstrengungen mit Ihren Text- und Videobotschaften konterkarieren dazu auf, das Ihnen mögliche zu tun, um in Ihrem Umfeld die Folgen dieser Naturkatastrophe abzumildern.

Ich bin seit 15 Jahren als Facharzt für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin in eigener privatärztlicher Praxis niedergelassener Arzt und überblicke ca 4000 Patientengeschichten vornehmlich im Münchener Süden.

15. März 2020

Corona-Pandemie: Reduzierung von Präsenzterminen

Liebe Patienten,
zu Ihrem Schutz und zur Verhinderung der Weiterverbreitung des Corona-Virus reduzieren wir die
Präsenz-Termine in unserer Praxis so weit wie möglich. Wir versuchen so viele Fragen wie möglich telefonisch oder telemedizinisch zu klären.
Bitte nehmen Sie Kontakt zu uns telefonisch unter +498964954228 oder z.B. über den DSGVO-konformen Messenger medflex auf.

Patienten mit Infektionssymptomen (Husten, Fieber, Durchfall etc) behandeln wir auf Grund des hohen Corona-Ansteckungsrisikos ausschließlich während unserer Infektionssprechstunde (täglich zwischen 12 und 13 Uhr) .

Die Nachmittagssprechstunde am Dienstag und Donnerstag wird als reine telemedizinische Sprechstunde geführt.

Alle Praxisveranstaltungen sind abgesagt.


9. März 2020

12 Stunden Corona-Panik hautnah!

Eingang zu unserem
Isolationsbreich
Liebe Patienten, liebe Besucher.
Heute musste ich am eigenen Leib erleben, wie sich die Angst vor einer  möglicherweise bestehenden Coronavirusinfektion (Covid19) wirklich anfühlt.

Die letzte Wochen waren für uns als Praxisteam von extremer Belastung und Überlastung, ständigen unsicherer Informationen und einem ständig pendelndem Risiko-Erleben geprägt. Heute morgen war es dann soweit!  Ich bin mit Kopfschmerzen, Halsschmerzen, etwas Fieber und leichtem Husten aufgewacht. 🤒 Das passiert mir öfter, wenn ich die Grenzen meiner Belastbarkeit nicht achte und anhaltend über meine Kräfte hinaus arbeite. Normalerweise ist das einfach: ich sage direkt 1 oder 2 Tage alle Termine ab, schlafe und fiebere 48 Stunden, dann bin ich wieder topfit.

Aber was ist heute schon normal? 
  • Ja, keiner der zahlreichen mehr oder weniger stark ausgeprägten Corona-Verdachtsfälle, die in meiner Praxis getesteten wurden, ist tatsächlich positiv gewesen. 
  • Ja, alle Fälle haben sich entweder als Influenza oder als banaler fieberhafter Infekt herausgestellt. 
  • Ja, ich hatte nirgendswo ungeschützten Kontakt mit potentiell Infizierten. 
  • Ja, wir haben schon Mitte Februar einen von der Rest-Praxis völlig getrennten Isolationsbereich für alle Infektpatienten eingerichtet
  • Masken, Handschuhe,
     Kittel
  • Ja, wir testen jetzt zur  Risikominimierung für alle Beteiligten und zur Einsparung von Schutzmaterial direkt die Patienten im Auto sitzend, um die Kontaktzeiten zu minimieren.  
Aaaaber:
  • Wer will das in diesen Tagen schon alles so genau wissen?
  • Hatte der Einkäufer an der Tankstelle nicht eben gehustet?
  • War nicht dieser Patient kürzlich noch vor der Einordnung von Südtirol als Risikogebiet mit lockeren Symptomen aus dem Skiurlaub in Italien zurück gekehrt? 
  • Habe ich nicht etwas von in Grünwald nachgewiesenen Fällen gehört?
  • Waren nicht unglaublich viele Menschen in Südtirol zum Skifahren?
  • Sind nicht sowieso schon überall irgendwelche symptomlosen Überträger unterwegs?
Was heißt das jetzt alles für mich?
  • Bin ich als Mann, 48, ohne relevante Vorerkrankungen, vielleicht doch vital gefährdet?
  • Hatte ich nicht eben erst irgendwo den Bericht von einem Intensivmediziner über einen 34-jährigen gesunden Mann ohne Vorerkrankungen mit einer rapide verlaufenden, beatmungspflichtigen Viruspneumonie gelesen?
  • Was ist mit meinen Kindern? Sind sie gefährdet? Muss jetzt die Volksschule und das Gymnasium geschlossen werden?
  • Muss meine Praxis geschlossen werden?
  • Ist meine Existenz bedroht?
Wie üblich an solchen Krankheitstagen steigt dann im Lauf des Tages das Fieber gegen Abend an, jetzt waren es knapp über 39°.  Ich bin eigentlich soweit fit, habe schon ca 10 Stunden geschlafen, habe Appetit und fühle mich eigentlich gut. Ich bin dankbar, dass ich auf meinen Körper hören kann und mir eine Auszeit nehmen kann, wenn es nicht anders geht. Ich bin dankbar, dass dieser Körper so fantastisch funktioniert. Ich spüre richtig, wie das Fieber meinen Körper reinigt. Ich habe heute schon etwa 5 Liter Wasser getrunken und sonst nur leichte Suppe und puren Yoghurt gegessen. 

Und jetzt kommt doch die Angst wieder: 
  • Jetzt huste aber ich doch mehr als am Morgen? 
  • Habe ich nicht da so einen Druck auf der Brust?
  • Ist das Fieber noch normal?
  • Sind die Halsschmerzen ein Hinweis auf Corona?
  • Wann kommt denn endlich der Abstrich?
Hurra! Pünktlich um 20.07 kommt der Befund: Sars-Cov-2-RNA (2019 nCov) negativ! Ich könnte jubilieren und fühle mich gleich viel besser. Es ist eine riesige Belastung, die von mir fällt!

Der heutige Tag war für mich eine weitere außerordentlich wichtige Erfahrung. Wie ich ja schon zum Beispiel in meinem Vortrag beim Freundeskreis der evangelischen Akademie Tutzing schildern durfte, habe ich Medizin und Arzt-sein vom Anfang meines Lebens und meiner Ausbildung an durchaus auch von der anderen Seite der medizinischen Leine aus zu spüren bekommen.
Ich bin dankbar für diesen heutigen Tag, der mich auch gelehrt hat, die großen Ängste meiner Patienten ausreichend wahr zunehmen.
Ich bin dankbar, dass ich es schaffe, mir die Freiheit zu nehmen, meinem lebendigen menschlichen Organismus  ausreichend zu würdigen und zu schonen. Und ich bin dankbar für das Verständnis und die Einsatzbereitschaft meiner Mit-Menschen!

Ich wünsche allen Kollegen und Patienten, allen Betroffenen aus allen Lebensgebieten, den Kindern den Lehrern, den Erziehern, den Polizisten, den Sanitätern, dem Putzpersonal, den Wissenschaftlern, den Flughafenmitarbeitern und allen anderen Männern, Kindern und Frauen und allen anderen Menschen, die von dieser weltweiten Herausforderung betroffen sind, viel Durchhaltevermögen, einen guten Kontakt zu sich selbst, ausreichende Antennen für die eigene Überforderung und eine glückliche und schonende Lösung dieser anstrengenden Weltsituation!


8. März 2020

Geburt und frühes Trauma: was bedeutet das für uns heute? Tagesseminar mit Sabine Schmidseder

Im Rahmen meiner Weiterbildung bei Prof. Franz Ruppert in Identitäts-orientierter Psychotraumatheorie (IOPT) habe ich mich in den letzten 2 Jahren viel mit dem Konzept des "frühen Traumas" beschäftigt. Immer mehr kristallisiert sich für mich in meinem Verständnis von Krankheit und Gesundung heraus, dass gerade unsere frühen Lebenserfahrungen eine prägende Rolle in unserer Patho- und Salutogenese spielen.

Im Verlauf meiner Ausbildung habe ich auch die erfahrene Hebamme Sabine Schmidseder aus Oberösterreich kennengelernt. Sie hat mit mir zusammen die Ausbildung in IOPT absolviert und arbeitet nach den Prinzipien und dem von Prof. Ruppert entwickelten Konzept der IOPT und der Anliegenmethode.

Ich schätze an Sabine Schmidseder insbesondere ihr Fachwissen und ihre breite Erfahrung in Geburtsbegleitungen, sowie ihre offene, ehrliche und direkte Art. Ich freue mich sehr, dass wir Sabine Schmidseder dafür gewinnen konnten, in den Räumen unserer Praxis Geiselgasteig an vorerst 4 Samstagen Ganztagesseminare zum Thema anzubieten.


Die Seminare finden jeweils Samstag von 9- 17 Uhr statt, am

28. März,
18. April,
16. Mai. oder
13. Juni

Die Begleitung und Leitung erfolgt durch: Sabine Schmidseder
Die Kosten pro Samstag betragen 90 Euro, zahlbar direkt an Frau Schmidseder.

Anmeldung und Information bitte direkt an
https://www.schmidseder.at/
sabine@schmidseder.at
Tel 0043 650 78 62 429

oder auch direkt bei uns in der Praxis.

Bei dieser Veranstaltung handelt es sich nicht um eine ärztliche Leistung. Eine Erstattung durch Versicherungsträger erfolgt nicht.

Blog abonnieren per Email

Enter your email address:

Delivered by FeedBurner

Dieses Blog durchsuchen

Beliebte Posts